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Kugellager, Gleitlager, Wälzlager : Informationen



Bezeichnungsschema Wälzlagerserien Tabelle Innen- und Außendurchmesser Kugellager Hersteller Umschlüsselung Lagerwerkstoffe

Bezeichnungsschema


Hiermit lässt sich jedes noch so verrostete Lager auf einfache Weise identifizieren.

Wälzlager werden fast nur nach Tabellenbüchern oder Online-Katalogen ausgewählt.
Die Bezeichnungen bestehen aus Kombinationen von Buchstaben und Zahlen, die nach einem logischen, in DIN 623 genormten Prinzip aufgebaut sind. So können Lager der gleichen Bezeichnung unabhängig vom Hersteller eingesetzt werden.
Das Bezeichnungsschema umfasst Vorsetzzeichen, Basiskennzeichen und Nachsetzzeichen. Ein S608 2RS ist so aufgeschlüsselt: ein Edelstahllager (Vorsatz „S“), mit den Hauptabmessungen 8 × 22 × 7 mm (Basiskennzeichen „608“), das beidseitig abgedichtet ist (Nachsatz „2RS“).

Lagerabmessungen

Wälzlager sind sowohl in den Abmessungen (Bohrung, Außendurchmesser, Breite), als auch in den Belastbarkeiten weitgehend genormt.
Außerdem gibt es diese Lager auch in fertigen Lagerböcken (siehe Lagereinheiten, Gehäuselager), die ggf. schwenkbar sind oder Gummipuffer zur Stoßdämpfung haben.
Manche Bauformen werden auch mit Dichtscheiben und Dauerschmierung oder Abdeckscheiben geliefert (siehe Abdichtung; Nachsetzzeichen: 2RS, bzw. 2Z oder, je nach Hersteller, ZZ), so dass die Laufflächen vor Schmutz oder Staub geschützt sind.
Eine einfache Zuordnung der Lagerbezeichnung zu den Hauptabmessungen: Wellendurchmesser (d) und Außenring-Durchmesser (D) können für Lager mit einem Wellendurchmesser von 10 bis 80 mm aus folgender Tabelle entnommen werden. Einige Lagerbauarten werden zusätzlich in unterschiedlichen Breiten gebaut und sind daher in Lagerkatalogen (s. Weblink) nachzuschlagen.
Die Bezeichnung der unterschiedlichen Lagertypen lässt sich wie folgt bestimmen (wobei „xxx“ aus der Tabelle zu entnehmen ist): Hierzu identifiziert man zuerst die Lagerbauform und dann den Innenring-Innendurchmesser, sowie den Außenring-Außendurchmesser. Wälzlager werden also über gleich zwei Nenndurchmesser definiert.
Jetzt folgt man in der Tabelle der Innendurchmesser-Spalte nach unten und der Außendurchmesser-Zeile nach rechts bis zum Schnittpunkt. Mit der hier stehenden Ziffer ergänzt man die Typenbezeichnung.
Beispiel: Ein einreihiges Rillenkugellager, Typenbezeichnung beginnt also mit 6, hat d = 25 mm und D = 52 mm, im Schnittpunkt befindet sich die Ziffer 205. Das passende Ersatzlager ist also ein Typ 6205 mit möglicherweise noch Nachsetzzeichen für Deck- oder Dichtscheiben.

Gängige Wälzlagerserien


Sondertypen und seltene Wälzlagerungen sind nicht angeführt. Es wird unterschieden zwischen
  • 1xx
    Pendelkugellager, zweireihig (108, 126 bis 129 und 135)
  • 6xx
    Rillenkugellager, einreihig (603 bis 609 und 617 bis 630)
  • 7xx
    Schrägkugellager, einreihig (706 und 709xx)
  • 1xxx
    Pendelkugellager, zweireihig, schmale Bauform (12xx bis 14xx)
  • 2xxx
    Pendelkugellager, zweireihig, breite Bauform (22xx und 23xx)
  • 3xxx
    Schrägkugellager, zweireihig (30xx, 32xx und 33xx, 38xx und 39xx)
  • 4xxx
    Rillenkugellager, zweireihig (42xx und 43xx)
  • 5xxx
    Zylinderrollenlager (siehe Nxxx und NNxxxx)
  • 6xxx
    Rillenkugellager, einreihig (60xx bis 64xx)
  • 7xxx
    Schrägkugellager, einreihig (70xx, 72xx bis 74xx)
  • 11xxx
    Pendelkugellager mit breitem Innenring (112xx und 113xx)
  • 16xxx
    Rillenkugellager, einreihig, schmal (160xx und 161xx)
  • 2xxxx
    Pendelrollenlager, zweireihig (222xx, 223xx, 223xx, 230xx bis 233xx, 238xx bis 241xx)
  • 20xxx
    Tonnenlager
    einreihiges Pendelrollenlager (202xx bis 204xx)
  • 29xxx
    Axial-Pendelrollenlager (292xx – 294xx)
  • 3xxxx
    Kegelrollenlager (302xx, 303xx, 313xx, 320xx, 322xx, 323xx, 329xx bis 332xx)
  • 51xxx
    Axial-Rillenkugellager, einseitig wirkend (511xx bis 514xx)
  • 52xxx
    Axial-Rillenkugellager, zweiseitig wirkend (522xx bis 524xx) 542xx bis 544xx)
  • 53xxx
    Axial-Rillenkugellager, einseitig wirkend mit kugeliger Gehäusescheibe (532xx bis 534xx)
  • 54xxx
    Axial-Rillenkugellager, zweiseitig wirkend mit kugeliger Gehäusescheibe (542xx bis 544xx)
  • 6xxxx
    Rillenkugellager, einreihig (617xx bis 619xx, 622xx und 623xx, 630xx, 632xx bis 633xx 638xx)
  • 7xxxx
    Schrägkugellager, einreihig (718xx und 719xx)
  • 81xxx
    Axial-Zylinderrollenlager einreihig (811xx bis 812xx)
  • 89xxx
    Axial-Zylinderrollenlager einreihig (893xx bis 894xx)
  • 234xxx
    Axial-Schrägkugellager, zweiseitig wirkend (2344xx und 2347xx)
  • 76xxxxx
    Axial-Schrägkugellager, einseitig wirkend (7602xxx und 7603xxx)
  • Nxxx
    Zylinderrollenlager einreihig (NU, NJ, NUP – s. unten, RNU, NUB, NUC, NJP, NH, NUJ, RN, N, NF, NP, NCF; NJF)
  • NNxx
    Zylinderrollenlager zweireihig (NN, NNU, NNC, NNCF, NNCL, NNF)
  • Qxxx(x)
    4-Punkt-Lager
    Schrägkugellager mit geteiltem Außenring (Q2xx, Q3xx, Q10xx und Q12xx)
  • QJxxx(x)
    4-Punkt-Lager
    Schrägkugellager mit geteiltem Innenring,(QJ2xx, QJ3xx, QJ10xx und QJ12xx)


Kombinationstabelle Innen- und Außendurchmesser

d 10 12 15 17 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80
D xxx
26 000
28 001
30 200
32 201002
35 300 202003
37 301
40 203
42 302 004
47 303204005
52 304205
55 006
62 403 305206007
68 008
72 404 306207
75 009
80 405 307208 010
85 209
90 406 308 210011
95 012
100 407 309 211 013
110 408 310 212 014
115 015
120 409 311 213
125 214 016
130 410 312 215
140 411 216
150 412313314
160 315
170 413 316


Abdichtung

Viele Wälzlager sind als abgedichtete Ausführung erhältlich. Die Abdichtung erfolgt nach dem Prinzip des Wellendichtrings. Folgende herstellerspezifische Dichtungsbezeichnungen sind möglich:
  • Z
    einseitige Blechdeckscheibe mit Spaltdichtung
  • ZZ
    wie oben, beidseitig
  • RS
    einseitige, schleifende Gummidichtung
  • 2RS
    wie oben, beidseitig
  • LLU
    wie oben, beidseitig
  • RZ
    einseitige, berührungslose Gummidichtung
  • 2RZ
    wie oben, beidseitig


Axialluft

Axialluft wird wie folgt beschrieben: Axialluft ist das Maß bei nicht eingebauten Lagern, um das sich die Lagerringe in axialer Richtung von einer Endlage in die andere bis zur spannungsfreien Anlage gegeneinander verschieben lassen. Dabei werden die Lager gedreht. In der Praxis werden die Lager einzeln vermessen. Es wird der Abstand zwischen den beiden Stirnseiten (Innen- und Außenring) gemessen. Zueinander addiert ergibt die Zwischenringbreite, bzw. wie viel von den entsprechenden Ringen (auch Innen- oder Außenlagerring) abgeschliffen werden muss. Im Betrieb sollte die Lagerung unter Null Axialluft bzw. mit leichter Vorspannung laufen. Dadurch verteilen sich die äußeren Kräfte auf mehr bzw. alle Wälzelemente.

DIN Normen


Rillenkugellager (DIN 625)

Schrägkugellager (DIN 628)

Vierpunktlager (DIN 628)

Schulterkugellager (DIN 615)

Pendelkugellager (DIN 630)

Zylinderrollenlager (DIN 5412)

Kegelrollenlager (DIN 720)

Tonnenrollenlager DIN 635-1

Pendelrollenlager DIN 635-2

Quelle(n)
DIN Normblatt-Verzeichnis 1974 (Beuth-Vertrieb GmbH, Berlin)

Kugellager Hersteller Umschlüsselung Hersteller
Typ Ausführung NSK FAG / INA SKF
Allgemein einseitig abgedichtet (Blech) Z ZR Z
beidseitig abgedichtet (Blech) ZZ 2ZR 2Z
einseitig abgedichtet (Kautschuk) DU RSR RS1 / RSH
beidseitig abgedichtet (Kautschuk) DDU 2RSR 2RS1 / 2RSH
erhöhte Lagerluft C3 C3 C3
kegelige Bohrung K K K
Rillenkugellager Stahlkäfig Standard Standard Standard
Kunststoffkäfig ./. T, TNH, TVH TN, TN9
Messingkäfig M M M
verstärkte Innenkonstruktion ./. ./. E
Pendelkugellager Kunststoffkäfig TNG TVH TN9
Stahlkäfig J ./. J
Messingkäfig M M M
verstärkte Innenkonstruktion E ./. E
beidseitig berührende Dichtung 2RS 2RS 2RS1
Schrägkugellager 1-reihig Druckwinkel 40° B B B
optimierte Innenkonstruktion EA ./. E
Kunstoffkäfig T85 TVH / TVP P
Stahlkäfig W JP J
Messingkäfig M MP M
Universalausführung für den paarweisen Einbau, mit Axialluft SUN UA CB
dito, jedoch mit leichter Vorspannung SUL UL GA
dito, jedoch spielfrei ./. UO ./.
Schrägkugellager 2-reihig Kunstoffkäfig TNG TVH TN9
Stahlkäfig J Standard J1
Messingkäfig M M / MA M / MA
Druckwinkel 25° B B ./.
Druckwinkel 30° / 32° / 35° Standard Standard Standard
Spindellager

je Universalausführung, für den paarweisen Einbau geeignet

Druckwinkel 25° A5 TR SUL P3 E-T-P4S-UL ACDGA/P4A
Druckwinkel 15° C TR SUL P3 C-T-P4S-UL CDGA/P4A
Zylinderrollenlager Kunststoffkäfig T TVP2 P
Stahlkäfig W ./. J
Messingkäfig M M1 M / MA
verstärkte Innenkonstruktion E E EC
Pendelrollenlager Kunstoffkäfig EA / C / CD Standard E / CC
Stahlkäfig M / CAM M / MA / MB CA / CAC
Messingkäfig E4 S / E1 W33 / E
Schmiernut / Schmierbohrung EA E1 E
verstärkte Innenkonstruktion U15VS Z41A VA405
Schwingsieblagerausführung U15VS T41A VA405
Schmiernut, Messingkäfig, Lagerluft CAME4C3 SMBC3 CACC3W33
Kegelrollenlager Stahlkäfig Standard Standard Standard
verstärkt, optimierte Ausführung Vorsetztzeichen HR ./. Q
geänderte Innenkonstruktion ./. A ./.
Laufrollen 2-reihig ballig, mit Deckscheiben LB32..B-2ZRSTNG LR52..-2Z / ..KDDU 3058..C-2Z
ballig, mit Lippendichtung LB32..B-2RSRSTNG LR52..-2RS / ..NPPU ./.
zylindrich, mit Deckscheiben LZ32..B-2ZRSTNG LR52..X-2Z / ..KDD 3057..C-2Z
zylindrich, mit Lippendichtung ./. LR52..X-2RS / ..NPP ./.
./. nicht Lieferbar
Standard Standardausführung, ohne Nachsetzt- bzw. Zusatzzeichen


Lagerwerkstoffe


Üblicherweise werden Wälzlager aus Chromstahl gefertigt, sehr hart, aber leicht rostend, in der Stahlsorte 100Cr6 (Werkstoff-Nr. 1.3505), ein Stahl mit einem Gehalt von ca. 1 % Kohlenstoff und 1,5 % Chrom zum Beispiel 100CrMn6, 100CrMo6.

Für Anwendungen in korrosiver Umgebung werden auch die Stähle X65Cr13 (Werkstoff-Nr. 1.4037) und X30CrMoN15-1 (Werkstoff-Nr. 1.4108) verwendet. Letzterer kann, zumindest für einige Tage, auch in lebenden Menschen zum Einsatz kommen. Härtbare Stähle sind nie wirklich „rostfrei“, sondern nur für einen gewissen Zeitraum erhöht korrosionsbeständig.

Für besondere Betriebsbedingungen gibt es Lager aus
  • rostfreiem Stahl (zum Beispiel Kugellager S6204 oder W6204)
  • komplett Keramik (aus Siliciumnitrid, Zirconiumoxid oder Siliciumcarbid, je nach Beanspruchung)
  • Hybridlager (zwei Werkstoffe), bei denen die Lagerringe aus Stahl, die Wälzkörper aus Keramik (Siliciumnitrid oder Zirkondioxid) bestehen, zum Beispiel bei Spindellagern für Werkzeugmaschinen
  • Kunststoff mit Wälzkörpern aus Glas oder Keramik gegen aggressive Säuren oder Laugen in Chemie- und Lebensmittelindustrie
  • Kunststoff-Käfig (zum Beispiel Kugellager 6205 TN9.C3) für geräuscharmen Lauf
  • Wälzlager mit einer stromisolierenden Beschichtung des Außen- bzw Innenringes, um ein ungewolltes Stromabfließen durch das Lager und den sogenannten möglichen Stromschaden zu verhindern, zum Beispiel bei Einsatz von Frequenzumrichtern zur Drehzahlregelung von Drehstrommotoren (Herstellerbezeichnung SKF: INSOCOAT-Lager)


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